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#STEHTAUF-Koffer: Demokratie gehört nicht nur in die Klassenarbeit

vor 11 Minuten
4 Min. Lesezeit

Was bringt es, wenn Schülerinnen und Schüler das Grundgesetz kennen, Demokratie erklären und politische Begriffe definieren können, dieses Wissen aber nach der Klassenarbeit im Heft bleibt?

Natürlich brauchen junge Menschen Wissen über Demokratie. Sie sollten wissen, welche Grundrechte sie haben, warum die Menschenwürde am Anfang unseres Grundgesetzes steht, was Gleichberechtigung bedeutet und wie demokratische Entscheidungen zustande kommen.

Aber Demokratiewissen allein reicht nicht.




Demokratiebildung sollte nicht dazu führen, dass Schülerinnen und Schüler möglichst genau herausfinden, welche Antwort in einer Klassenarbeit die meisten Punkte bringt. Und erst recht sollte es nicht darum gehen, möglichst geschickt die vermutete Meinung der Lehrkraft zu treffen, damit am Ende vielleicht noch die zwei fehlenden Punkte für die bessere Note herausspringen.

Genau hier beginnt für mich gute Demokratiebildung.

Das Grundgesetz muss mehr sein als Unterrichtsstoff

Die Kultusministerkonferenz bezeichnet es als eine zentrale Aufgabe von Schule, Schülerinnen und Schüler mit den Grundlagen unseres demokratischen Zusammenlebens und der Werteordnung des Grundgesetzes vertraut zu machen. Gleichzeitig soll Schule ein Ort sein, an dem Demokratie nicht nur vermittelt, sondern erfahren wird.

Das ist ein entscheidender Unterschied.

Artikel des Grundgesetzes auswendig zu lernen, ist etwas anderes, als zu verstehen, was sie mit dem eigenen Leben zu tun haben.

Was bedeutet Gleichberechtigung, wenn jemand aufgrund seiner Herkunft ausgegrenzt wird? Was bedeutet Menschenwürde, wenn Menschen abgewertet werden? Was bedeutet Meinungsfreiheit? Und wo liegen ihre Grenzen? Was bedeutet Teilhabe, wenn bestimmte Gruppen kaum gehört werden?

Und vor allem: Was kann ich selbst tun?

Genau diese letzte Frage wird im Unterricht noch zu häufig zu klein.

Dabei ist sie sogar ein Grundgedanke politischer Bildung. Der Beutelsbacher Konsens fordert nicht nur, Schülerinnen und Schüler nicht mit einer gewünschten Meinung zu überwältigen und politische Kontroversen auch kontrovers abzubilden. Junge Menschen sollen auch befähigt werden, politische Situationen und ihre eigenen Interessen zu analysieren und Möglichkeiten zu finden, gesellschaftliche Wirklichkeit mitzugestalten.

Es geht also nicht darum, was Schülerinnen und Schüler denken sollen.

Es geht darum, dass sie lernen, selbstständig zu denken, begründet zu urteilen und verantwortlich zu handeln.

Dafür brauchen wir kein neues Schulfach

Wenn über Demokratiebildung gesprochen wird, entsteht schnell die Forderung nach einer zusätzlichen Unterrichtsstunde, einem neuen Projekt oder sogar einem neuen Fach.

Ich glaube, dass wir zunächst an einer anderen Stelle ansetzen sollten.

Denn viele der Kompetenzen, die demokratische Teilhabe überhaupt erst ermöglichen, werden längst unterrichtet.

Im Deutschunterricht lernen Schülerinnen und Schüler Texte zu verstehen, Informationen aus unterschiedlichen Quellen zu erschließen, adressatengerecht zu schreiben, zu argumentieren, zu erörtern und appellative Texte zu verfassen. Genau solche Kompetenzen finden sich in den nordrhein-westfälischen Lehrplänen wieder.

Die entscheidende Frage lautet deshalb:

Wofür nutzen wir diese Kompetenzen?

Eine Erörterung muss nicht ausschließlich für die Lehrkraft geschrieben werden.

Ein appellativer Text muss nicht zwangsläufig in einer Klassenarbeit enden.

Eine Recherche muss nicht nur deshalb durchgeführt werden, damit anschließend ein Arbeitsblatt vollständig ausgefüllt ist.

Schülerinnen und Schüler können recherchieren, um ein reales Problem zu verstehen. Sie können argumentieren, um andere zu überzeugen. Sie können informieren, um Menschen außerhalb ihrer Klasse zu erreichen. Sie können Einladungen schreiben, Öffentlichkeitsarbeit gestalten, Entscheidungen treffen, unterschiedliche Interessen abwägen und gemeinsam etwas organisieren.

Plötzlich werden Kompetenzen aus dem Deutschunterricht, gesellschaftswissenschaftliches Wissen und Demokratiebildung nicht nebeneinander unterrichtet.

Sie werden miteinander verbunden.

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz kommt zu einem ähnlichen Schluss. Sie fordert einerseits einen starken Politik- und Geschichtsunterricht, betont aber gleichzeitig ausdrücklich, dass Demokratiebildung als fächerübergreifendes Unterrichtsprinzip in allen Fächern verankert werden sollte.

Genau hier setzt der #STEHTAUF-Koffer an

In den vergangenen Monaten durfte ich gemeinsam mit Schalke hilft! den #STEHTAUF-Koffer entwickeln und die didaktische Leitung des Projekts übernehmen.

Dass dieses Projekt bei einem Fußballverein entstanden ist, ist dabei kein hübscher Zusatz.

Es ist ein wesentlicher Teil der Idee.

Fußball ist für viele junge Menschen Lebenswelt. Auf dem Platz und auf den Tribünen werden Fragen sichtbar, die unmittelbar mit Demokratie zusammenhängen: Fairness, Gleichberechtigung, Diskriminierung, Zugehörigkeit, Verantwortung, Vielfalt und Zusammenhalt.

Der #STEHTAUF-Koffer richtet sich an Schülerinnen und Schüler aller Schulformen der Jahrgangsstufen 8 bis 12 und greift genau diese Lebenswelt auf. Schalke hilft! beschreibt ihn als Bildungsprojekt, das Demokratieverständnis spielerisch stärkt und Unterrichtsinhalte mit der Lebenswelt Fußball verbindet.

Aber für mich war während der Entwicklung noch etwas anderes entscheidend:

Der Koffer sollte nicht beim Verstehen aufhören.

Deshalb folgt er bewusst der Dramaturgie eines Fußballspiels.

In der ersten Halbzeit setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit demokratischen Werten, Diskriminierung und unterschiedlichen Perspektiven auseinander. Sie erwerben Wissen, diskutieren, recherchieren und urteilen.

Dann kommt die zweite Halbzeit.

Und jetzt muss aus Wissen Handlung werden.

Die Schülerinnen und Schüler planen eigenständig ein #STEHTAUF-Fußballturnier. Sie übernehmen Verantwortung und bringen ihre unterschiedlichen Stärken ein. Sie organisieren, informieren, gestalten, schreiben, präsentieren, kommunizieren und treffen gemeinsam Entscheidungen. Am Ende soll ein sichtbares Zeichen für Vielfalt und Zusammenhalt entstehen.

Damit verlässt das Lernen zumindest gedanklich und teilweise ganz praktisch das klassische Klassenzimmer.

Nicht noch mehr Arbeit für Lehrkräfte

Dabei war uns eine zweite Sache wichtig.

Demokratiebildung kann nicht dauerhaft davon abhängig sein, dass einzelne besonders engagierte Lehrkräfte abends noch drei Stunden Materialien zusammensuchen, Arbeitsblätter gestalten und ein Projekt organisieren.

Wenn wir wollen, dass solche Formen des Lernens im Schulalltag stattfinden, müssen wir sie auch so entwickeln, dass sie im Schulalltag funktionieren.

Deshalb enthält der #STEHTAUF-Koffer direkt einsetzbare Materialien und Methoden. Schalke hilft!

 
 
 

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